Welt

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Eine Doppel-CD mit Musik von überallher gibt es bei CPL. Natürlich schaut man als erstes, ob es wirklich von überallher ist, runzelt die Stirn, weil dieses Land und jener Stil fehlt, dann wird gehört, und klar, immer wird irgendwas fehlen, und von dem, was da ist, fragt man sich dann, wieso dieses schreckliche Stück? Aber am Ende ist es egal. Es ist so viel wunderbare Musik zu entdecken, die beiden CDs sind viel zu schnell zu Ende und werden gleich wieder angehört. Es geht los mit dem Fado-inspirierten „Cuidei que tinha morrido“ von Lina Raúl Refree, schon Stück 3 ist einer der absoluten Höhepunkte der Zusammenstellung, Rasm Almashan mit „Yemenia“. Es folgen finnischer a-cappella-Gesang, polyphone Stimmgewalt, ein Moriskentanz und tiefkehliger Drachengesang. Um nur einige wenige zu nennen. Eigentlich müsste über jedes Stück etwas geschrieben werden, um auch nur einen vagen Eindruck von der hier vertretenen Vielfalt zu vermitteln. Die Vielfalt zeigt sich nicht nur an der Menge der Länder, aus denen die InterpretInnen stammen. Die estnische Akkordonvirtuosin Tuulikki Bartosik z.B. brilliert mit einem sehr irisch inspirierten Stück (mit dem unirischen Titel „In Luce Amor“). Der totale Ohrwurm stammt von der Garifuna Collective („Wiya Waist“), und das Lieblingsstück der Rezensentin? „Klacht“ von Spilar aus Belgien. Great Tunes from the World Music Charts Europe, CPL, www.cpl-music.de (GH)

Diese Frau will ganz nach oben, und zwar schnell. Lainey Wilson hat die Songs ihres Debütalbums selbst geschrieben. Die Glaubwürdigkeit des „Sagen was man denkt“ leidet aber darunter, dass alles perfekt marktgängig im Country/Rock-Stil produziert ist. Natürlich ohne jeden Anflug eines politischen Untertons. Alles klingt, als habe man es schon x-mal gehört, auch die Stimme, die man zwischen Dolly Parton und Alison Krauss ansiedeln kann. Okay für Hausarbeit nebenher und längere Autofahrten. (küc)

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John Hartford – Steam Whistle Blues

Live in Bremen 1977

John Hartford ist in Europa nicht so sehr bekannt, obwohl er Roger McGuinn (Kopf der Byrds), nachdem dieser sich 1967 von David Crosby und Mike Clarke trennte, bei einem Hillbilly-, Country- und Bluegrass-Projekt, das diese Musikstile prägen und bereichert sollte, unterstützte. Und auch obwohl einige seiner Kompositionen von bekannten MusikerInnen wie Elvis Presley, Glen Campbell, R.E.M., Frank Sinatra, Atretha Franklin gecovert wurden. Mag daran liegen, dass er den Atlantik selten überquerte, um in Europa zu touren.

Die Aufnahme eines Konzerts bei Radio Bremen 1977, bei der John Hartford (leider inzwischen verstorben) vor Spielfreude und Witz sprüht. Sein virtuoser Soloauftritt ist der einer One-man-band, seine stimmliche Akrobatik, mal mit Violinen-, mal mit Banjo-, mal mit Gitarreninstrumentierung, oft zusätzlich mit Tapping-percussion, sowie einigen, teils auch rätselhaften, perkussiven Klängen ist abwechslungsreich, groovig; die Musik spannt den Bogen vom Country bis zum Blues, sogar das mitmachende Publikum überzeugt auch durch Musikalität. Man wir richtig mitgerissen und angesichts der Spielfreude verzeiht man da auch gerne minimale Intonationsungenauigkeiten, die nichts mit Bluenotes zu tun haben oder auch unbeabsichtigte Temposchwankungen, da die der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Man hört buchstäblich, dass John Hartford teils sehr frei improvisiert und auch experimentiert, ohne Angst vor Fehlern oder Stilbrüchen, was im Metier des Country nicht so häufig vorkommt.

Dies ist eine Scheibe, die über die ganzen 78 Minuten Spaß macht und nicht nur Fans der Country-Musik gefallen dürfte.

Unverständlich ist mir allerdings, dass der Text im Booklet nur auf englisch ist.

Radio Bremen, MIG02412CD/LC23370

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Taykali – Sur Tierra

Eine CD die interessanterweise auf die 432 Hz für a gestimmt ist, was ja in den 1930er Jahren auf 440 Hz geändert wurde, aber, wie neuere Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, biologisch besser zu sein scheint. Schon mal ein Pluspunkt.

Die lateinamerikanischen Lieder, die das Trio mit Unterstützung eines Gastes mit seinem Akkordeon, aber auch mit Overdubbing, sind etwas fülliger arrangiert, als man es von einem Trio so erwartet.

Die 10 Songs, alles Fremdkompositionen, bringen es auf 44 Minuten Musik, die leider allzu schnell vorbei sind.

Instrumentierung: Gesang, Gitarre, Bass, Charango, Percussion, Flöte, Akkordeon

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Rão Kyao – Gandhi

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Das erste und das letzte Stück auf der CD, „Respeito pela Natureza“/Respect for nature“ und “Mahatma“, sind die, die den deutlichsten Bezug zu Gandhis Kulturkreis haben und in Harmonien und Melodien sehr indisch daher kommen und so die CD rahmen, die weiteren Stücke zeigen jedoch, wo die Musiker herkommen und fühlen sich eher nach dem portugisischen Fado an, dessen wohlige Melancholie sich durch die ganze CD hinzieht.

Die Stücke bis auf Nr. 8, „Independencia/Independence“ sind alle instrumental (was für Fado eher untypisch ist) und auch in dem sind die Stimmen ohne Worte.

Das wundervolle Flötenspiel von Rão Kyao prägt die Musik, aber manchmal kommen auch Erinnerungen an Cesaria Evora hoch.

Es gibt aber auch afrikanische Einflüsse zu entdecken (Nr. 7, „Marcha do Sal/Salt march“). Im Booklet sind kurze Texte auf englisch und portigiesisch zu den Musikstücken abgedruckt, wie überhaupt alle Infos auf CD-Cover oder im Booklet. 

Eine eher ruhige Musik, obwohl einige der Stücke durchaus zum Tanzen einladen.

Mit 10 Stücken bringt es die Scheibe auf knapp 60 Minuten

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Musik aus vielen Ländern

Die neue Nummer der wunderbaren Zeitschrift Folk Galore ist erschienen, und ihr liegt bei eine CD – mit einem Querschnitt durch die Produktionen von CPL. 13 Stücke aus den Ländern von FGs Einzugsbereich, gewissermaßen rund um die Ostsee und mit Abstechern in die umliegenden Gegenden.

Sozusagen für jeden Geschmack? Jedenfalls ein ungeheuer breites Spektrum. Es geht los mit der polnisch-jemenitischen Sängerin Rasm Almashan, die zwischendurch auf Englisch singt und einen Hang zu Reggae-Rhythmen hat – aber am anderen Ende der Skala finden wir Schunkeljoik; wer meint, das könne es gar nicht geben, soll sich Shoodja-Choodja anhören! Dazwischen polyphoner Frauengesang, Grand-Prix-kompatible Popklänge mit englischen Wortfetzen und die tiefkehlige Drachenstimme von Yat-Kha. Um nur einige wenige zu nennen. Unbedingt selbst anhören. Und Folk Galore abonnieren!

https://folkgalore.de/ (GH)

POLEN

Jüdische Folk-Sängerin Belina in Hamburg, Deutschland 1960er Jahre Stock  Photo - Alamy

Im FM 351 wurde die CD von Thrill of Joy heiß empfohlen. Das ist ja noch gar nicht so lange her, aber schon hat Duo-Mitglied Thomas Guido Peter eine Solo-CD vorgelegt, „Houston, ich bin das Problem“.

Auch für alle, die Houston weiterhin für das Problem halten, überaus hörenswert. Dabei fängt es geradezu nostalgisch an, wie der Ich-Erzähler im Lied in seiner Stammkneipe nach dem Rechten sehen wollte.

Obwohl das nicht gerade gut ging, ist es doch eine wunderbare Erinnerung an Zeiten, in denen die Stammkneipen geöffnet hatten, und vielleicht eine Vorschau auf bessere Tage, an denen sie vielleicht überlebt haben. Das mit dem Stammkneipenbesuch bietet also Probleme, ansonsten eigentlich auch alles, die Mitmenschen, die Politik, „Die wirklich guten Momente sind selten und rar“, wie es einmal so treffend heißt, die blöden Momente überwiegen, und immer wieder entringt sich dem Protagonisten der Lieder der Stoßseufzer: „Was hab ich eigentlich verbrochen?“ Sehr leicht nachzuvollziehen, musikalisch hervorragend und abwechslungsreich unterlegt, und einfach gut zu hören. Thomas Guido Peter: Houston, ich bin das Problem, Barhill Records, www.barhillrecords.de) GH

International?

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Ansprechend ist erst mal, dass die CD in einem ansprechenden Schächtelchen aus Karton, da ist außer der CD kein Kunststoff. Drin ist außer der CD hinter einer Kartonlasche noch ein Booklet mit den üblichen Infos über Fotograf, Studio, verwendete Instrumente, die Erklärungen der beiden Musiker, warum sie zusammengefunden haben, Danksagungen und der Titelliste.

Nun aber zur Musik: die beiden Gitarristen harmonieren gut zusammen, die Musik ist ein wenig folkloristisch, ein wenig mehr  jazzig mit Latinfeeling. Beim Hören kommen Erinnerungen an die Bossa Nova der 1950/60er Jahre auf(vor allem der Gesang bei einigen der Stücke), sehr relaxed, ohne große Experimente, einfach schön anzuhören.

Außer diverser Gitarren ist Horta noch gelegentlich mit seiner Stimme zu hören, während Onorato hin und wieder unauffällig für percussive Begleitung sorgt. Sehr sparsam werden auch Effektgeräte eingesetzt.

Die 10 Stücke bringen es jedoch grade mal auf LP-Länge, also 40 Minuten.

Egea music SUD 008

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